Wann ist Strom am günstigsten?

Die kurze Antwort lautet: im Sommer mittags, im Winter nachts. Die übliche Faustregel wirft beides in einen Topf und wird dadurch für beide Jahreszeiten ungenau. Diese Seite wertet 31.872 Viertelstundenpreise der Strombörse aus, vom 1. Oktober 2025 bis 30. August 2026, und zeigt den Tagesverlauf als Kurve, einmal übers Jahr und einmal nach Jahreszeit getrennt (332 ausgewertete Tage, Datenstand 1. September 2026).

Der Tag im Jahresmittel

Jeder Punkt ist der Mittelwert dieser Stunde über alle 332 Tage. Die Kurve fällt vom Morgenhoch gegen Mittag steil ab und erreicht ihren Höchstwert am frühen Abend.

Durchschnittlicher Boersenpreis je Stunde des Tages Die Kurve faellt vom Morgenhoch gegen Mittag stark ab und steigt zum Abend auf den Tageshoechstwert. Guenstigste Stunde ist 13 Uhr mit 4,94 Cent, teuerste 20 Uhr mit 14,71 Cent je Kilowattstunde. Mittel aus 332 Tagen. Alle Werte stehen in der Tabelle unter der Grafik. 5 10 15 0 ct/kWh nach Uhrzeit 0 4 8 12 16 20 23 4,9 14,7
Alle 24 Werte als Tabelle
Mittlerer Boersenpreis je Stunde ueber 332 Tage, in Cent je Kilowattstunde, ohne Steuern, Abgaben und Netzentgelte.
StundeCent/kWh
00:0010,59
01:0010,05
02:009,73
03:009,57
04:009,65
05:0010,14
06:0011,37
07:0012,22
08:0011,68
09:009,76
10:007,86
11:006,48
12:005,46
13:004,94
14:005,42
15:006,86
16:008,76
17:0011,26
18:0013,35
19:0014,70
20:0014,71
21:0013,63
22:0012,49
23:0011,11
Günstigste Stunde: 13 Uhr, 4,94 ct/kWh
Mittelwert dieser Stunde über 332 Tage.
Teuerste Stunde: 20 Uhr, 14,71 ct/kWh
Das Dreifache der günstigsten Stunde, 9,77 ct/kWh Abstand.
Günstigstes Drei-Stunden-Fenster: 12 bis 15 Uhr, 5,28 ct/kWh
Zum Vergleich: über alle Stunden gemittelt liegt der Börsenpreis bei 10,07 ct/kWh.

Warum die Nacht seltener günstig ist als ihr Ruf

Zwischen 0 und 6 Uhr liegt der Börsenpreis im Mittel bei 9,96 ct/kWh, zwischen 11 und 15 Uhr bei 5,58 ct/kWh. Die Nacht kostet also fast das Doppelte des Mittags. Der Grund steht am Himmel: mittags speist die Photovoltaik am meisten ein, das Angebot ist groß und der Preis fällt. Nachts fehlt diese Einspeisung, und die Nachfrage wird von teureren Kraftwerken gedeckt.

Wer selbst eine Anlage hat, erzeugt genau in diesen billigen Stunden am meisten. Was das für den Ertrag bedeutet, steht unter Was bringt ein Balkonkraftwerk wirklich?.

An 206 der 332 ausgewerteten Tage, also an 62 Prozent, lag die günstigste Viertelstunde des Tages zwischen 10 und 16 Uhr.

Winter und Sommer sind zwei verschiedene Tage

Der Jahresmittelwert glättet genau den Unterschied weg, um den es hier geht. Getrennt ausgewertet zeigen die vier Wintermonate und die vier Sommermonate zwei Kurven mit unterschiedlichem Tiefpunkt und sehr unterschiedlicher Spannweite.

Tagesverlauf im Winter und im Sommer Zwei Kurven. Im Winter aus 120 Tagen liegt der Tiefpunkt nachts um 3 Uhr bei 7,72 Cent und der Hoechstwert um 17 Uhr bei 13,43 Cent. Im Sommer aus 122 Tagen liegt der Tiefpunkt mittags um 13 Uhr bei 2,22 Cent und der Hoechstwert um 20 Uhr bei 19,80 Cent. Die Sommerkurve faellt mittags deutlich tiefer und steigt abends deutlich hoeher. Alle Werte stehen in der Tabelle unter der Grafik. 5 10 15 20 0 ct/kWh nach Uhrzeit 0 4 8 12 16 20 23 7,7 13,4 2,2 19,8 Winter Sommer
Alle 24 Werte als Tabelle
Mittlerer Boersenpreis je Stunde, Winter aus 120 Tagen (November bis Februar) und Sommer aus 122 Tagen (Mai bis August), in Cent je Kilowattstunde, ohne Steuern, Abgaben und Netzentgelte.
StundeWinterSommer
00:008,3913,96
01:008,0813,13
02:007,8412,62
03:007,7212,37
04:007,7712,40
05:008,1612,85
06:009,1913,84
07:0010,8713,51
08:0011,7811,83
09:0011,258,96
10:0010,426,41
11:009,904,60
12:009,563,14
13:009,672,22
14:0010,342,37
15:0011,473,68
16:0012,585,85
17:0013,439,31
18:0012,7813,13
19:0011,7717,12
20:0010,5619,80
21:009,7818,99
22:009,4916,78
23:008,6214,75
Winter, November bis Februar, 120 Tage
Günstigste Stunde 3 Uhr mit 7,72 ct/kWh, teuerste 17 Uhr mit 13,43 ct/kWh. Zwischen beiden liegen 5,72 ct/kWh, das entspricht dem 1,7-Fachen. Im Winter ist die Nacht tatsächlich die günstigste Zeit.
Sommer, Mai bis August, 122 Tage
Günstigste Stunde 13 Uhr mit 2,22 ct/kWh, teuerste 20 Uhr mit 19,80 ct/kWh. Zwischen beiden liegen 17,58 ct/kWh, das entspricht dem 8,9-Fachen. Der Sommermittag ist die mit Abstand günstigste Zeit des ganzen Jahres.

Wer also im Winter nach der Sommerregel lädt, verschiebt seinen Verbrauch in eine Stunde, die kaum billiger ist als der Rest des Tages. Und wer umgekehrt im Sommer auf die Nacht wartet, lässt den größten Preisvorteil liegen, den diese Auswertung überhaupt enthält.

Was eine Verschiebung wert ist

Eine Kilowattstunde, die statt um 20 Uhr um 13 Uhr bezogen wird, kostet im Jahresmittel 9,77 Cent weniger. Für eine Autoladung von 40 Kilowattstunden sind das 3,91 Euro. Im Sommer steigt derselbe Vorgang auf 7,03 Euro, im Winter fällt er auf 2,29 Euro.

Diese Beträge gelten für den Börsenanteil des Strompreises. Netzentgelt, Steuern, Abgaben und der Aufschlag des Anbieters kommen obendrauf und ändern sich mit der Uhrzeit nicht, sie verkleinern also den prozentualen Vorteil einer Verschiebung. Was am Ende für einen konkreten Haushalt übrig bleibt, rechnet der Rechner auf der Startseite mit denselben Daten durch.

Stunden unter null

1.850 der 31.872 ausgewerteten Viertelstunden lagen unter null, also 5,8 Prozent. Sie häufen sich zwischen 12 und 15 Uhr, wenn viel Sonnenstrom auf wenig Nachfrage trifft. Bei einem dynamischen Tarif schlagen negative Börsenpreise auf den Arbeitspreis durch, die übrigen Bestandteile der Rechnung bleiben davon unberührt.

Reduzierte Netzentgelte sind eine eigene Baustelle

Wärmepumpen und Wallboxen können als steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG reduzierte Netzentgelte bekommen. Das läuft unabhängig vom Stromtarif, lässt sich mit einem dynamischen Tarif kombinieren und wird gelegentlich mit ihm verwechselt (Verbraucherzentrale, Dynamische Stromtarife, abgerufen 3. September 2026). Die Kurven oben zeigen ausschließlich den Börsenpreis und enthalten von diesen Netzentgelten nichts.

Was diese Auswertung nicht hergibt

Ein Stundenmittel ist ein Mittel. Ein einzelner Tag kann völlig anders verlaufen, etwa bei Sturm, Flaute oder an Feiertagen, und die Kurve sagt nichts darüber, wie stark die Werte um ihren Mittelwert streuen. Sie taugt zur Orientierung, welche Tageszeit sich im Schnitt lohnt, und ersetzt keinen Blick auf die tatsächlichen Preise des nächsten Tages, die jeder Anbieter am Vortag ausweist.

Ausgewertet wurden Day-ahead-Preise der Strombörse für Deutschland, Viertelstundenauflösung, Zeitzone Europe/Berlin. 32 Tage fehlten oder waren unvollständig und blieben außen vor. Angaben in Cent je Kilowattstunde, ohne Netzentgelt, Steuern und Abgaben. Das Vorgehen samt Ausschlusskriterien steht auf der Autorenseite.