Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif mit Wallbox oder E-Auto?

Für einen Haushalt mit E-Auto und Wallbox rechnet sich ein dynamischer Tarif in der Auswertung deutlich. Eine Familie mit 7.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch, davon 2.500 Kilowattstunden fürs Laden in günstige Stunden verschoben, kommt in der Auswertung echter Börsenpreise vom 1. Oktober 2025 bis 30. August 2026 (332 Tage, Datenstand 1. September 2026) je nach angenommenem Anbieteraufschlag auf ein Plus von 373 bis 443 Euro gegenüber einem Festpreistarif.

Warum eine Wallbox gut zum Modell passt

Eine Wallbox hat gegenüber einer Wärmepumpe einen Vorteil: Das Auto braucht seine Ladung an jedem Tag im Jahr, unabhängig von Jahreszeit oder Wetter, und die App des Anbieters kann das Laden in die günstigsten Stunden legen. Im Modell verteilt sich die verschobene Menge auf die drei günstigsten Viertelstunden jedes Tages, im Mittel 3,508 ct/kWh über den gesamten Auswertungszeitraum, deutlich unter dem Haushaltsmittel von 10,119 ct/kWh.

Wo diese Viertelstunden liegen, hängt an der Jahreszeit. An 206 der 332 ausgewerteten Tage lag die günstigste Viertelstunde zwischen 10 und 16 Uhr. Im Sommer ist der Mittag mit 2,22 ct/kWh um 13 Uhr die klar günstigste Zeit, im Winter dagegen die Nacht mit 7,72 ct/kWh um 3 Uhr. Wer nachts lädt, umgeht damit zuverlässig die Abendspitze und lässt im Sommer den tiefsten Punkt des Tages liegen. Der gemessene Tagesverlauf zeigt beide Kurven.

Spielt die Ladeleistung eine Rolle?

Die drei günstigsten Viertelstunden aus dem Beispiel oben folgen aus der Ladeleistung. 2.500 Kilowattstunden im Jahr an einer 11-kW-Wallbox sind 0,62 Stunden am Tag, also zweieinhalb Viertelstunden, aufgerundet drei. Als Fahrleistung sind 2.500 Kilowattstunden je nach Verbrauch des Autos etwa 12.500 bis 15.600 Kilometer. Eine stärkere Wallbox ist schneller fertig und trifft deshalb nur die allergünstigsten Viertelstunden, eine schwächere braucht länger und nimmt auch teurere mit.

Wie stark sich das auf den Einkaufspreis auswirkt, steht in der Auswertung derselben 332 Tage:

Vier Ladeleistungen für 2.500 Kilowattstunden im Jahr, mit der täglichen Ladezeit, der Anzahl der dafür nötigen günstigsten Viertelstunden und dem mittleren Einkaufspreis über 332 Tage.
LadeleistungLadezeit
am Tag
Günstigste
Viertelstunden
Mittlerer
Einkaufspreis
22 kW0,31 h23,426 ct/kWh
11 kW0,62 h33,508 ct/kWh
3,7 kW, einphasig1,85 h83,788 ct/kWh
2,3 kW, Schuko-Steckdose2,98 h124,008 ct/kWh

Zwischen einer 22-kW-Wallbox und einer gewöhnlichen Schuko-Steckdose liegen 0,58 ct/kWh. Auf 2.500 Kilowattstunden im Jahr sind das 14,55 Euro. Zum Haushaltsmittel von 10,119 ct/kWh sind es dagegen 6,6 ct/kWh Abstand. Die Ersparnis entsteht also dadurch, überhaupt in den günstigen Stunden zu laden. Wie schnell das geht, verschiebt sie kaum, und für eine stärkere Wallbox spricht eher die Bequemlichkeit als der Tarif.

Wenn das Auto nur nachts an der Wallbox hängt

Das Modell legt die Ladung in die günstigsten Viertelstunden des gesamten Tages. Wer nur zwischen 22 und 6 Uhr laden kann, weil das Auto tagsüber gefahren wird, bekommt ein anderes Bild, und es fällt je nach Jahreszeit gegensätzlich aus.

Im Winter passt das Nachtfenster gut. Über seine acht Stunden gemittelt liegt es bei 8,26 ct/kWh, und der Tiefpunkt des Tages fällt mit 7,72 ct/kWh um 3 Uhr ohnehin hinein. Im Sommer liegt dasselbe Fenster bei 13,61 ct/kWh, während der Tiefpunkt mittags um 13 Uhr bei 2,22 ct/kWh liegt. Das ist gut das Sechsfache, und es liegt über dem Haushaltsmittel von 10,119 ct/kWh.

Für einen Haushalt, der ausschließlich nachts lädt, trägt der Vorteil im Winter also und schrumpft im Sommer zusammen. Wer die Ladung im Sommer auf den Nachmittag legen kann, etwa am Wochenende oder aus dem Homeoffice heraus, holt genau dort den größten Teil des Unterschieds. Der gemessene Tagesverlauf zeigt beide Kurven nebeneinander.

Der eigene Fall im Rechner

Der Rechner übernimmt dieses Beispiel vorausgefüllt und lässt sich mit dem eigenen Jahresverbrauch und der eigenen Lademenge weiterrechnen. Der Regler für den Anbieteraufschlag zeigt, wie stark dieser eine Wert das Ergebnis verschiebt.

Was offen bleibt

Wie groß der Vorteil beim eigenen Anbieter tatsächlich ausfällt, hängt zusätzlich von Grundgebühr und Aufschlag ab. Beide Werte hängen von der Postleitzahl ab und werden erst nach Eingabe der eigenen Adresse im Tarifrechner des Anbieters sichtbar, bei allen vier auf der Anbieterseite geprüften Anbietern gleichermaßen.