Lohnt sich ein Speicher an der PV-Anlage?

Ein Speicher an einer Solaranlage macht etwas anderes als einer, der am Börsenpreis handelt: Er lagert Strom um, der ohnehin auf dem Dach entsteht. Die Rechnung fällt deutlich besser aus, aber sie fällt auch anders aus, als sie meistens vorgerechnet wird. Diese Seite rechnet sie an einer 10-Kilowatt-Anlage durch, je einmal mit Festpreistarif und mit dynamischem Tarif, auf denselben Erzeugungs- und Verbrauchsdaten wie die Balkonkraftwerk-Seite.

Der ersetzte Netzbezug ist nicht der ganze Gewinn

Die übliche Rechnung lautet: eine gespeicherte Kilowattstunde ersetzt eine gekaufte, also spart sie den vollen Arbeitspreis von rund 34 Cent. Das übersieht, was dieselbe Kilowattstunde gebracht hätte, wenn sie ins Netz gegangen wäre. Für eine Anlage bis 10 Kilowatt, die seit dem 1. August 2026 in Betrieb ist, zahlt der Netzbetreiber 7,70 Cent je Kilowattstunde Überschusseinspeisung. Dieser Betrag ist ein Kosten des Speicherns und gehört abgezogen.

Aus „spart 34 Cent" wird damit „spart 26 Cent", und nach den Umwandlungsverlusten bleiben rund 23. Das ist immer noch fast doppelt so viel wie die 13 Cent Spanne, die ein Speicher am reinen Börsenhandel bewegt, und es ist der Grund, warum sich ein Speicher an einer Solaranlage rechnet, wo er ohne sie kaum trägt.

Die Schwelle lässt sich in einem Satz sagen: Speichern lohnt sich, solange der Wirkungsgrad mal dem Arbeitspreis mehr ergibt als die Einspeisevergütung. Bei 90 Prozent und 33,80 Cent sind das 30,4 Cent gegen 7,70 Cent, also ein Verhältnis von vier zu eins. Erst eine Einspeisevergütung über 30 Cent würde das Speichern unattraktiv machen, und so hoch liegt heute kein Satz für eine neue Anlage.

Was die Sonnenenergie einbringt, bei einer 10-kWp-Anlage nach Süden auf einem 35-Grad-Dach in Lüneburg, Haushalt 4.500 Kilowattstunden im Jahr, Speicher 10 Kilowattstunden mit 90 Prozent Wirkungsgrad. Einspeisevergütung 7,70 Cent je Kilowattstunde.
MengeMit FestpreistarifMit dynamischem Tarif
Direkt genutzt, ohne Speicher2012 kWh680,29 Euro561,27 Euro
Zusätzlich über den Speicher1570 kWh530,67 Euro513,59 Euro
Davon ab: aufgegebene Einspeisung-1744 kWh-134,31 Euro-134,31 Euro
Der Speicher unter dem Strich1570 kWh396,36 Euro379,27 Euro

Der dynamische Tarif nimmt der Sonne, aber nicht dem Speicher

Solarstrom entsteht mittags, und mittags ist der Börsenpreis am niedrigsten. Wer eine Anlage ohne Speicher an einem dynamischen Tarif betreibt, ersetzt deshalb billige Kilowattstunden statt teurer: in der Tabelle oben sinkt der Wert der direkt genutzten Sonnenenergie von 680 auf 561 Euro, also um ein Sechstel. Das ist derselbe Effekt, den die Balkonkraftwerk-Seite für die kleine Variante zeigt.

Beim Speicher ist es anders, und zwar deutlich. Er nimmt die Energie mittags auf und gibt sie abends ab, also genau dann, wenn der Börsenpreis am höchsten ist. Sein Wert sinkt deshalb nur von 396 auf 379 Euro, also um ein Zwanzigstel statt um ein Sechstel. Der Speicher holt zurück, was der dynamische Tarif der Sonne wegnimmt.

Für die Entscheidung heißt das: Wer einen dynamischen Tarif hat und über eine Solaranlage nachdenkt, sollte den Speicher nicht als Zubehör rechnen, sondern als den Teil der Anlage, der den Tarifnachteil ausgleicht. Und wer eine Anlage hat und über den Tarif nachdenkt, verliert mit einem Speicher deutlich weniger als ohne.

Ab welcher Größe der Überschuss ausgeht

Der Deckel ist hier ein anderer als beim Handelsspeicher. Dort begrenzte der Abendverbrauch, wie viel der Speicher überhaupt loswerden kann. Hier begrenzt der Überschuss, wie viel er hereinbekommt: gespeichert werden kann nur, was das Dach über den gerade laufenden Verbrauch hinaus produziert.

Was zusätzliche Speicherkapazität an derselben 10-kWp-Anlage bringt, Festpreistarif, Haushalt 4.500 Kilowattstunden. Die letzte Spalte ist der Strom, der trotz Speicher ins Netz geht.
SpeicherDurchgesetztErtrag im JahrJede weitere kWh bringtGeht trotzdem ins Netz
0 kWh0 kWh0,00 Euro8347 kWh
2 kWh585 kWh147,81 Euro73,91 Euro7696 kWh
5 kWh1246 kWh314,68 Euro55,62 Euro6962 kWh
10 kWh1570 kWh396,36 Euro16,34 Euro6603 kWh
15 kWh1689 kWh426,40 Euro6,01 Euro6470 kWh
20 kWh1765 kWh445,61 Euro3,84 Euro6386 kWh

Die letzte Spalte ist die interessante. Selbst mit 20 Kilowattstunden Speicher gehen noch mehrere tausend Kilowattstunden ins Netz, weil sie an Sommertagen anfallen, an denen der Speicher längst voll ist. Ein größerer Speicher fängt davon einen immer kleineren Teil, und die Anlage bleibt trotzdem überwiegend eine Einspeiseanlage.

Am Balkonkraftwerk lohnt er sich nur im kleinen Haushalt

Speicher für Steckersolargeräte werden inzwischen offensiv beworben, und die Rechnung dafür ist schnell gemacht: Ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt nach Süden erzeugt in Lüneburg rund 595 Kilowattstunden im Jahr. Was davon übrig bleibt, wenn der Haushalt seinen laufenden Bedarf gedeckt hat, ist alles, was ein Speicher dort zu tun bekommt.

Was ein 2-Kilowattstunden-Speicher an einem Balkonkraftwerk mit 800 Watt nach Süden bringt, nach Jahresverbrauch des Haushalts. Ohne Einspeisevergütung, weil die Einspeisung aus einem Steckersolargerät im Regelfall nicht vergütet wird.
JahresverbrauchOhne Speicher direkt genutztÜber den SpeicherWert mit FestpreisWert mit dynamischem Tarif
1.500 kWh405 von 595 kWh171 kWh57,68 Euro56,71 Euro
2.000 kWh479 von 595 kWh105 kWh35,37 Euro34,53 Euro
2.500 kWh533 von 595 kWh56 kWh18,85 Euro17,89 Euro
3.000 kWh568 von 595 kWh25 kWh8,29 Euro7,48 Euro
4.000 kWh594 von 595 kWh1 kWh0,27 Euro0,22 Euro

Ab etwa 3.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bleibt fast nichts mehr übrig, weil der Haushalt die 800 Watt in fast jeder Sonnenstunde ohnehin verbraucht. Der Speicher steht dann das ganze Jahr leer. Umgekehrt gilt: je kleiner der Haushalt, desto mehr Überschuss, und desto eher trägt ein kleiner Speicher. Ein Einpersonenhaushalt mit 1.500 Kilowattstunden liegt bei rund 58 Euro im Jahr, und das ist die Zahl, gegen die der Kaufpreis stehen muss.

Anders als bei der Dachanlage ist hier keine Einspeisevergütung abzuziehen: Für die Einspeisung aus einem Steckersolargerät zahlt im Regelfall niemand etwas. Der Überschuss ist heute schlicht weg, und alles, was der Speicher davon rettet, ist ein reiner Zugewinn.

Was in dieser Rechnung nicht steckt

Der Kaufpreis des Speichers fehlt, ebenso seine Alterung und der Strom, den seine Elektronik im Bereitschaftsmodus zieht. Wer die Amortisation ausrechnen will, teilt den Kaufpreis durch den Jahresertrag oben, und sollte dabei bedenken, dass der Ertrag mit den Jahren sinkt, weil die Kapazität nachlässt.

Die Erzeugung stammt aus dem Wetterjahr 2020 für Lüneburg, die Preise aus 332 Tagen zwischen dem 1. Oktober 2025 und dem 30. August 2026. Beide sind verschiedene Jahre, deshalb wird der Börsenpreis je Monat und Stunde gemittelt statt Tag gegen Tag gelegt. Der Lastgang ist das Standardprofil H0 und nicht Ihr Haushalt. Wie diese Zahlen entstehen steht auf einer eigenen Seite.

Die Einspeisevergütung von 7,70 Cent gilt für Anlagen bis 10 Kilowatt, die zwischen dem 1. August 2026 und dem 31. Januar 2027 in Betrieb gehen. Für ältere Anlagen gilt der Satz ihres Inbetriebnahmemonats, und der ist ein anderer. Wer eine solche Anlage hat, setzt seinen eigenen Satz in die Rechnung ein: Er steht im Einspeisevertrag, und die Schwelle bleibt dieselbe, nämlich Wirkungsgrad mal Arbeitspreis.