Was bringt ein Balkonkraftwerk im Winter?
Die kurze Antwort: wenig, aber nicht nichts, und der Unterschied zwischen den Aufstellungen ist im Winter größer als im Jahresmittel. Diese Seite rechnet die dunklen Monate an Stundenwerten durch, auf denselben Daten wie die Hauptseite zum Balkonkraftwerk. Der überraschende Teil steht im zweiten Abschnitt.
Der Dezember bringt knapp ein Achtel des Aprils
Der Jahresverlauf ist steiler, als die meisten erwarten. Bei einer aufgeständerten Anlage liegt zwischen dem besten Monat (April, 151 Kilowattstunden) und dem schlechtesten (Dezember, 18) das 8,4-fache. Wer im Dezember auf seine App sieht und erschrickt, sieht den Winter und kein defektes Gerät.
| Monat | Geländer, senkrecht, Süd | Aufgeständert, 35 Grad, Süd |
|---|---|---|
| Januar | 33 kWh | 29 kWh |
| Februar | 39 kWh | 41 kWh |
| März | 89 kWh | 103 kWh |
| April | 107 kWh | 151 kWh |
| Mai | 71 kWh | 125 kWh |
| Juni | 62 kWh | 121 kWh |
| Juli | 60 kWh | 109 kWh |
| August | 74 kWh | 116 kWh |
| September | 81 kWh | 102 kWh |
| Oktober | 41 kWh | 46 kWh |
| November | 36 kWh | 33 kWh |
| Dezember | 21 kWh | 18 kWh |
Die zweite Spalte fällt im Winter weniger tief als die dritte. Das ist kein Rundungsfehler, sondern der Kern der nächsten Frage.
Im Winter schlägt das Geländer das Dach
Über das ganze Jahr liefert eine aufgeständerte Süd-Anlage deutlich mehr als dieselben Module senkrecht am Geländer. In den vier dunklen Monaten dreht sich das um, und zwar in beiden Richtungen: das Geländer liefert absolut mehr Kilowattstunden, und es liefert einen größeren Anteil seines Jahresertrags.
| Aufstellung | Im Jahr | November bis Februar | Anteil | Sommer zu Winter |
|---|---|---|---|---|
| Geländer, senkrecht, Süd | 714 kWh | 130 kWh | 18,1 % | 2,1 |
| Aufgeständert, 35 Grad, Süd | 994 kWh | 120 kWh | 12,1 % | 3,9 |
| Geländer, senkrecht, Ost | 539 kWh | 46 kWh | 8,5 % | 6,4 |
| Geländer, senkrecht, West | 478 kWh | 41 kWh | 8,6 % | 6,0 |
Der Grund steht am Himmel und lässt sich ausrechnen. Zur Wintersonnenwende steht die Sonne in Lüneburg mittags 13,3 Grad über dem Horizont: 90 Grad minus der Breite des Ortes (53,25) minus der Neigung der Erdachse (23,44). Auf eine senkrechte Südfläche trifft sie damit fast frontal, der Einfallswinkel beträgt 13,3 Grad und der Ertragsfaktor 0,97. Auf eine um 35 Grad geneigte Fläche trifft sie unter 41,7 Grad, Faktor 0,75. Im Juni steht die Sonne bei 60,2 Grad und das Verhältnis dreht sich um. Weil im Juni ein Vielfaches an Energie ankommt, gewinnt das Dach die Jahreswertung trotzdem.
Ost und West brechen dagegen weg. Sie holen ihren Ertrag aus den Morgen- und Abendstunden, und die gibt es im Dezember kaum. Wer im Winter etwas haben will, braucht Süd, und ein Geländer ist dafür keine Notlösung, sondern die bessere Wahl.
Eine Winter-Kilowattstunde ist mehr wert
Die Menge ist nur die halbe Rechnung. Was eine erzeugte Kilowattstunde einbringt, hängt daran, ob sie im selben Moment gebraucht wird, denn für die Einspeisung aus einem Steckersolargerät zahlt im Regelfall niemand etwas. Und an einem dynamischen Tarif hängt es zusätzlich daran, was der ersetzte Netzbezug in dieser Stunde gekostet hätte.
| Monat | Sofort genutzt | Wert je kWh, dynamisch |
|---|---|---|
| Januar | 94 % | 31,6 ct |
| Februar | 88 % | 29,3 ct |
| März | 74 % | 26,5 ct |
| April | 64 % | 23,3 ct |
| Mai | 70 % | 25,1 ct |
| Juni | 66 % | 27,0 ct |
| Juli | 71 % | 26,1 ct |
| August | 68 % | 27,9 ct |
| September | 69 % | 25,5 ct |
| Oktober | 86 % | 27,5 ct |
| November | 89 % | 30,4 ct |
| Dezember | 97 % | 29,9 ct |
Beide Größen laufen im Winter in dieselbe Richtung. Der sofort genutzte Anteil steigt, weil die geringe Erzeugung den laufenden Verbrauch nie übersteigt, während im Sommer ein Teil ungenutzt ins Netz geht. Und der Börsenpreis liegt in den Wintermonaten höher, weil dort weniger Solarstrom im Netz ist. Eine Dezember-Kilowattstunde ersetzt deshalb einen teureren Bezug als eine im Juni.
Das gleicht die kleine Menge nicht aus, und die Anlage bleibt eine Sommeranlage. Es verschiebt aber die Rechnung zugunsten der Aufstellungen, die im Winter überhaupt etwas liefern, und das sind dieselben, die im Abschnitt darüber vorn liegen.
Was in dieser Rechnung nicht steckt
Schnee auf den Modulen kommt nicht vor. Eine senkrechte Fläche bleibt frei, eine um 35 Grad geneigte kann tagelang zugedeckt sein, und das verschiebt den Vergleich weiter zugunsten des Geländers. Wie stark, hängt am Winter und lässt sich aus diesen Daten nicht sagen.
Verschattung ist ebenfalls nicht drin. Sie trifft im Winter härter, weil die Sonne flach steht und schon ein Nachbarhaus reicht. Die Erzeugung stammt aus dem Wetterjahr 2020 für Lüneburg, der Lastgang ist das Standardprofil H0 und nicht Ihr Haushalt. Wie diese Zahlen entstehen steht auf einer eigenen Seite.