Was bringt ein Balkonkraftwerk im Winter?

Die kurze Antwort: wenig, aber nicht nichts, und der Unterschied zwischen den Aufstellungen ist im Winter größer als im Jahresmittel. Diese Seite rechnet die dunklen Monate an Stundenwerten durch, auf denselben Daten wie die Hauptseite zum Balkonkraftwerk. Der überraschende Teil steht im zweiten Abschnitt.

Der Dezember bringt knapp ein Achtel des Aprils

Der Jahresverlauf ist steiler, als die meisten erwarten. Bei einer aufgeständerten Anlage liegt zwischen dem besten Monat (April, 151 Kilowattstunden) und dem schlechtesten (Dezember, 18) das 8,4-fache. Wer im Dezember auf seine App sieht und erschrickt, sieht den Winter und kein defektes Gerät.

Was ein Balkonkraftwerk mit 960 Watt Modulleistung in Lüneburg je Monat erzeugt, senkrecht am Geländer und aufgeständert auf einem 35-Grad-Dach. Wetterjahr 2020.
MonatGeländer, senkrecht, SüdAufgeständert, 35 Grad, Süd
Januar33 kWh29 kWh
Februar39 kWh41 kWh
März89 kWh103 kWh
April107 kWh151 kWh
Mai71 kWh125 kWh
Juni62 kWh121 kWh
Juli60 kWh109 kWh
August74 kWh116 kWh
September81 kWh102 kWh
Oktober41 kWh46 kWh
November36 kWh33 kWh
Dezember21 kWh18 kWh

Die zweite Spalte fällt im Winter weniger tief als die dritte. Das ist kein Rundungsfehler, sondern der Kern der nächsten Frage.

Im Winter schlägt das Geländer das Dach

Über das ganze Jahr liefert eine aufgeständerte Süd-Anlage deutlich mehr als dieselben Module senkrecht am Geländer. In den vier dunklen Monaten dreht sich das um, und zwar in beiden Richtungen: das Geländer liefert absolut mehr Kilowattstunden, und es liefert einen größeren Anteil seines Jahresertrags.

Wie viel vom Jahresertrag in die vier dunklen Monate November bis Februar fällt, nach Aufstellung. 960 Watt Modulleistung in Lüneburg, Wetterjahr 2020. Die letzte Spalte ist das Verhältnis der vier hellen Monate Mai bis August zu den vier dunklen.
AufstellungIm JahrNovember bis FebruarAnteilSommer zu Winter
Geländer, senkrecht, Süd714 kWh130 kWh18,1 %2,1
Aufgeständert, 35 Grad, Süd994 kWh120 kWh12,1 %3,9
Geländer, senkrecht, Ost539 kWh46 kWh8,5 %6,4
Geländer, senkrecht, West478 kWh41 kWh8,6 %6,0

Der Grund steht am Himmel und lässt sich ausrechnen. Zur Wintersonnenwende steht die Sonne in Lüneburg mittags 13,3 Grad über dem Horizont: 90 Grad minus der Breite des Ortes (53,25) minus der Neigung der Erdachse (23,44). Auf eine senkrechte Südfläche trifft sie damit fast frontal, der Einfallswinkel beträgt 13,3 Grad und der Ertragsfaktor 0,97. Auf eine um 35 Grad geneigte Fläche trifft sie unter 41,7 Grad, Faktor 0,75. Im Juni steht die Sonne bei 60,2 Grad und das Verhältnis dreht sich um. Weil im Juni ein Vielfaches an Energie ankommt, gewinnt das Dach die Jahreswertung trotzdem.

Ost und West brechen dagegen weg. Sie holen ihren Ertrag aus den Morgen- und Abendstunden, und die gibt es im Dezember kaum. Wer im Winter etwas haben will, braucht Süd, und ein Geländer ist dafür keine Notlösung, sondern die bessere Wahl.

Eine Winter-Kilowattstunde ist mehr wert

Die Menge ist nur die halbe Rechnung. Was eine erzeugte Kilowattstunde einbringt, hängt daran, ob sie im selben Moment gebraucht wird, denn für die Einspeisung aus einem Steckersolargerät zahlt im Regelfall niemand etwas. Und an einem dynamischen Tarif hängt es zusätzlich daran, was der ersetzte Netzbezug in dieser Stunde gekostet hätte.

Wie viel von der erzeugten Energie im selben Moment gebraucht wird, und was die Kilowattstunde an einem dynamischen Tarif dann ersetzt hat. Aufgeständert auf einem 35-Grad-Süddach, 960 Watt, Haushalt 2.500 Kilowattstunden im Jahr. Beim Festpreistarif ist der Wert in jedem Monat derselbe, nämlich 33,8 ct.
MonatSofort genutztWert je kWh, dynamisch
Januar94 %31,6 ct
Februar88 %29,3 ct
März74 %26,5 ct
April64 %23,3 ct
Mai70 %25,1 ct
Juni66 %27,0 ct
Juli71 %26,1 ct
August68 %27,9 ct
September69 %25,5 ct
Oktober86 %27,5 ct
November89 %30,4 ct
Dezember97 %29,9 ct

Beide Größen laufen im Winter in dieselbe Richtung. Der sofort genutzte Anteil steigt, weil die geringe Erzeugung den laufenden Verbrauch nie übersteigt, während im Sommer ein Teil ungenutzt ins Netz geht. Und der Börsenpreis liegt in den Wintermonaten höher, weil dort weniger Solarstrom im Netz ist. Eine Dezember-Kilowattstunde ersetzt deshalb einen teureren Bezug als eine im Juni.

Das gleicht die kleine Menge nicht aus, und die Anlage bleibt eine Sommeranlage. Es verschiebt aber die Rechnung zugunsten der Aufstellungen, die im Winter überhaupt etwas liefern, und das sind dieselben, die im Abschnitt darüber vorn liegen.

Was in dieser Rechnung nicht steckt

Schnee auf den Modulen kommt nicht vor. Eine senkrechte Fläche bleibt frei, eine um 35 Grad geneigte kann tagelang zugedeckt sein, und das verschiebt den Vergleich weiter zugunsten des Geländers. Wie stark, hängt am Winter und lässt sich aus diesen Daten nicht sagen.

Verschattung ist ebenfalls nicht drin. Sie trifft im Winter härter, weil die Sonne flach steht und schon ein Nachbarhaus reicht. Die Erzeugung stammt aus dem Wetterjahr 2020 für Lüneburg, der Lastgang ist das Standardprofil H0 und nicht Ihr Haushalt. Wie diese Zahlen entstehen steht auf einer eigenen Seite.