Was bringt ein Balkonkraftwerk wirklich?

Jeder Shop nennt eine Jahreserzeugung, und die stimmt auch. Für Ihr Geld zählt davon nur der Teil, den Sie in derselben Stunde selbst verbrauchen: ein Balkonkraftwerk ersetzt Strom, den Sie sonst gekauft hätten. Der Rest fließt unvergütet ins Netz. Diese Seite rechnet deshalb Stunde für Stunde durch, wie viel von der Erzeugung im Haushalt ankommt, aus 8.784 Stundenwerten der Europäischen Kommission, 32.784 Viertelstunden echter Börsenpreise und dem H0-Lastprofil des BDEW.

Rechnen Sie es für Ihre Aufstellung durch

Die Modulleistung wird ausgewählt, weil der Wechselrichter jede Stunde bei 800 Voltampere abregelt. Der Ertrag wächst dadurch langsamer als die Modulleistung, und zwar ungleichmäßig. Ein Zwischenwert sähe deshalb plausibel aus und wäre trotzdem falsch.

Ihr Stromtarif

Ergebnis

Was die Anlage erzeugt, und was davon ankommt

Was die Ersparnis je Tarif wert ist

  • Festpreis
  • Dynamisch

Mit einem dynamischen Tarif bringt es weniger, nicht mehr

Das ist der Satz, den kein Shop schreibt, und er folgt direkt aus den Daten dieser Seite. Ein Balkonkraftwerk erzeugt am meisten um die Mittagszeit. Genau dann ist der Börsenpreis am niedrigsten: im Sommer liegt der Tiefpunkt um 13 Uhr bei 2,22 ct/kWh, wie der gemessene Tagesverlauf zeigt. Die Kilowattstunde, die Sie sich sparen, ist in diesen Stunden also besonders wenig wert.

Für ein 960-Watt-Set auf einem 35-Grad-Süddach und einen Haushalt mit 2.500 Kilowattstunden sind das 190,67 Euro im Jahr gegenüber 242,22, also 51,55 Euro oder 21,3 Prozent weniger. Über alle gerechneten Kombinationen liegt der Abschlag zwischen 15,8 und 23,6 Prozent. Der dynamische Tarif kann sich für einen Haushalt mit verschiebbarem Verbrauch trotzdem lohnen, dann aber aus eigenem Recht. Die beiden Anschaffungen addieren sich nur zum Teil: jede nimmt der anderen ein Stück ihrer Grundlage.

Senkrecht erzeugt weniger und bringt fast genauso viel

Dieselben Module bringen auf einem 35-Grad-Süddach 993,8 Kilowattstunden im Jahr, senkrecht am Südgeländer nur 714,4. Das Dach erzeugt also 39 Prozent mehr. Beim Geld schrumpft der Abstand auf 22 Prozent, weil vom Dachertrag nur 72,1 Prozent im Haushalt landen und vom Geländerertrag 82,2. Eine senkrechte Fläche liefert über den Tag gleichmäßiger, mit einem flacheren Mittagsverlauf, und trifft damit häufiger auf einen Haushalt, der gerade Strom braucht.

Was ein Balkonkraftwerk mit 960 Watt Gesamtmodulleistung in einem Haushalt mit 2.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch einbringt, gerechnet für Lüneburg. „Davon genutzt“ ist der Teil, der im Haushalt ankommt; der Rest geht unvergütet ins Netz.
AufstellungErzeugungdavon genutztErsparnis im Jahr
bei Festpreis
bei dynamischem
Tarif
Geländer, senkrecht, Süddie übliche Balkonmontage714 kWh588 kWh (82 %)198,60 Euro153,65 Euro
Aufgeständert, 35 Grad, Süddieselben Module, flacher gestellt994 kWh717 kWh (72 %)242,22 Euro190,67 Euro
Geländer, senkrecht, Ostdieselben Module, Morgensonne539 kWh429 kWh (80 %)144,98 Euro116,97 Euro

Ab wann mehr Module nichts mehr bringen

Bis 2.000 Watt Gesamtmodulleistung sind erlaubt, aber der Wechselrichter gibt weiterhin höchstens 800 Voltampere ins Netz. Alles, was die Module an hellen Stunden darüber hinaus liefern könnten, regelt er ab. Wie teuer das wird, hängt daran, wie viel die Aufstellung überhaupt erzeugt: am senkrechten Geländer kostet die Kappung nur halb so viel wie auf einem aufgeständerten Dach, weil das Geländer die Mittagsspitze ohnehin nicht erreicht.

Was zusätzliche Module bringen, bei einem Wechselrichter mit 800 Voltampere. „Gekappt“ ist der Anteil des Ertrags, den der Wechselrichter an hellen Stunden abregelt und der deshalb gar nicht erst entsteht. Gerechnet für Lüneburg.
ModulleistungGeländer, senkrecht, Süd
Ertrag
gekapptAufgeständert, 35 Grad, Süd
Ertrag
gekappt
800 Watt595 kWhkeine829 kWhkeine
960 Watt714 kWhkeine994 kWh0,1 %
1400 Watt1017 kWh2,4 %1355 kWh6,6 %
2000 Watt1301 kWh12,6 %1647 kWh20,5 %

Was die Norm zum Stecker wirklich verlangt

Die 2.000 Watt aus dem Abschnitt darüber hängen an einer Bedingung, und um die dreht sich die Frage, die am häufigsten gestellt wird: Braucht ein Balkonkraftwerk einen Wieland-Stecker? Maßgeblich ist DIN VDE V 0126-95, seit Dezember 2025 als Produktnorm veröffentlicht. Die Norm selbst ist kostenpflichtig. Die Angaben unten stammen deshalb aus der öffentlichen FAQ des VDE FNN (Seitenstand 3. März 2026), auf die auch die DKE als Herausgeberin der Norm verweist.

An der gewöhnlichen Haushaltssteckdose ist laut dieser Quelle „eine Modulleistung der verbauten PV-Module bis 960 Wp möglich", bei höchstens 800 Voltampere Wechselrichterleistung und mit einer Schutzmaßnahme am Stecker: entweder ein modifizierter Stecker mit Schutzumhüllung oder ein interner Trennschalter. Für die größere Grenze heißt es: „Eine spezielle Energiesteckvorrichtung bleibt die sichere Option … Sie ermöglicht darüber hinaus höhere Modulleistungen von bis zu 2000 Wp." Die Installation der Steckdose gehört einer Elektrofachkraft.

Das Wort „Wieland" kommt auf dieser Seite an keiner Stelle vor. Wieland ist ein Hersteller solcher Energiesteckvorrichtungen, die Norm beschreibt eine Bauart. Wer 2.000 Watt Module anschließen will, braucht also eine spezielle Energiesteckdose, von einer Elektrofachkraft gesetzt. Von welchem Hersteller sie stammt, ist eine Frage der Verfügbarkeit und des Preises.

Am Wechselrichter ändert der Stecker nichts: der gibt in beiden Fällen höchstens 800 Voltampere ab. Er entscheidet allein darüber, wie viel Modulleistung davorstehen darf, und was das bringt, steht in der Tabelle darüber. Bei 2.000 Watt am aufgeständerten Süddach werden 20,5 Prozent der Erzeugung abgeregelt.

Was das Finanzamt von einem Balkonkraftwerk will

Ein Balkonkraftwerk bleibt bei beiden Steuerarten weit unter den Grenzen, ab denen überhaupt etwas zu tun wäre. § 3 Nr. 72 EStG stellt „Einnahmen und Entnahmen im Zusammenhang mit dem Betrieb von auf, an oder in Gebäuden vorhandenen Photovoltaikanlagen" von der Einkommensteuer frei, bis 30 Kilowatt (peak) je Wohn- oder Gewerbeeinheit und höchstens 100 Kilowatt (peak) je Steuerpflichtigem. Eine Anlage mit höchstens 2.000 Wattpeak Modulleistung liegt bei einem Fünfzehntel der ersten Grenze. Beim Kauf gilt seit dem 1. Januar 2023 der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 UStG, und zwar für „die Lieferungen von Solarmodulen an den Betreiber einer Photovoltaikanlage, einschließlich der für den Betrieb einer Photovoltaikanlage wesentlichen Komponenten und der Speicher". Beide Vorschriften wurden am 7. September 2026 abgerufen.

Anzumelden ist die Anlage trotzdem, nur an anderer Stelle: im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, nach § 5 Abs. 5 Satz 1 MaStRV „innerhalb eines Monats nach der Inbetriebnahme". Beim Finanzamt entfällt die Anmeldung dagegen häufig: das BMF-Schreiben vom 12. Juni 2023 (PDF) (IV A 3 - S 0301/19/10007: 012, BStBl I 2023 S. 990) lässt Unternehmer, deren Betrieb sich ausschließlich auf eine solche Photovoltaikanlage beschränkt und die von der Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG Gebrauch machen, auf die Anzeige nach § 138 Abs. 1 AO und auf den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung verzichten, für Betriebseröffnungen ab dem 1. Januar 2023. Anfordern darf das Finanzamt den Fragebogen im Einzelfall weiterhin.

Das ist ein Verweis auf die Gesetzeslage und ersetzt keine Steuerauskunft. Wer die Anlage gewerblich betreibt, sie vermietet oder mehrere Anlagen hält, hat einen anderen Fall, und der gehört in eine Steuerberatung. Was ein Balkonkraftwerk im Jahr einbringt, steht ungeschmälert im Rechner auf dieser Seite.

Wie viel ankommt, entscheidet der Haushalt

Dieselbe Anlage bringt zwei Haushalten sehr verschiedene Beträge, und die Erzeugung hat damit nichts zu tun. Sie ist in allen Zeilen unten gleich. Was sich ändert, ist der Anteil, der im selben Moment gebraucht wird. Ein Einpersonenhaushalt nutzt weniger als die Hälfte, ab etwa 4.000 Kilowattstunden im Jahr kommt praktisch alles an.

Dieselbe Anlage, verschiedene Haushalte: Geländer, senkrecht, Süd mit 960 Watt Gesamtmodulleistung, 714 Kilowattstunden Erzeugung im Jahr, gerechnet für Lüneburg. Was sich ändert, ist allein der Anteil, der im Haushalt ankommt statt unvergütet ins Netz zu fließen.
Jahresverbrauch
des Haushalts
davon genutztAnteilErsparnis im Jahr
1.000 kWh326 kWh46 %110,14 Euro
1.500 kWh432 kWh60 %146,06 Euro
2.000 kWh518 kWh73 %175,17 Euro
2.500 kWh588 kWh82 %198,60 Euro
3.000 kWh640 kWh90 %216,35 Euro
4.000 kWh699 kWh98 %236,26 Euro
5.000 kWh714 kWh100 %241,37 Euro

Was diese Rechnung nicht kann

Das H0-Profil ist ein statistischer Mittelwert vieler Haushalte und kennt weder Waschmaschine noch Urlaubswoche. Es glättet die Verbrauchsspitzen und die Leerlaufstunden, und der errechnete Eigenverbrauch fällt dadurch eher zu hoch als zu niedrig aus. Wer tagsüber regelmäßig außer Haus ist, liegt unter diesen Werten.

Gerechnet wird für Lüneburg. Weiter im Süden liegt die Erzeugung höher, im Norden niedriger, die Größenordnung bleibt. Ein Speicher ist nicht enthalten: er verschiebt Erzeugung in den Abend und verändert Eigenverbrauch und Bewertung so grundlegend, dass es eine eigene Rechnung wäre. Das Wetterjahr der Erzeugungsdaten und der Zeitraum der Preisdaten sind verschiedene Jahre, deshalb werden die Preise je Monat und Stunde gemittelt und nicht tagesgenau zugeordnet.

Ebenfalls nicht enthalten sind die Anschaffungskosten. Die Seite beantwortet, was ein Balkonkraftwerk im Jahr einspart. Wann es sich bezahlt macht, hängt am Kaufpreis, und den kennen Sie besser als jede Rechnung hier.