Wer steht hinter tarife-vergleich.org und wie wird hier gerechnet?

Fabian Riegel

tarife-vergleich.org wird von Fabian Riegel betrieben und redaktionell gepflegt, im Hauptberuf Frontend-Entwickler, daneben Gründer des KI- und SEO-Studios Hiraeth Node. Alle Rechnungen auf dieser Seite beruhen auf echten Viertelstunden-Börsenpreisen der Bundesnetzagentur, gewichtet mit dem tatsächlichen Lastprofil eines Haushalts.

Der Zeitraum und die Kennzahlen

Grundlage ist der Zeitraum vom 1. Oktober 2025 bis 30. August 2026, 332 Tage. Der September 2025 fehlt bewusst: Der Strommarkt hat in diesem Monat noch in Stundenauflösung abgerechnet, und diese gemischte Auflösung neben den viertelstündlichen Daten der übrigen Monate hätte die Zahlen unvergleichbar gemacht. Über die verbleibenden 332 Tage liegt der ungewichtete Mittelwert bei 10,074 ct/kWh, gewichtet mit dem Lastprofil eines durchschnittlichen Haushalts bei 10,119 ct/kWh, ein Aufschlag von 0,44 Prozent. 1.850 der 31.872 für diese Auswertung gefilterten Viertelstunden lagen im negativen Bereich (Datenstand 1. September 2026). Ungefiltert, also über alle 32.784 abgerufenen Viertelstunden einschließlich der ausgeschlossenen Tage, sind es 1.951.

Warum der Profil-Aufschlag so klein ausfällt

Der kleine Aufschlag von 0,44 Prozent hat einen konkreten Grund: Das verwendete Lastprofil H0 stammt vom BDEW aus dem Jahr 1999 und bildet den Tagesverlauf eines Haushalts aus dieser Zeit ab, mittags fast so viel Verbrauch wie abends. Heute drücken private Solaranlagen den Börsenpreis gerade in den Mittagsstunden besonders stark nach unten. Ein 27 Jahre altes Profil trifft diese Mittagsstunden also stärker, als ein heutiger Haushalt es tatsächlich tut, und genau das lässt den gemessenen Profil-Aufschlag kleiner erscheinen, als er für ein modernes Verbrauchsmuster wäre.

Zwei weitere Annahmen in der Methode

Bei den Berechnungen zählen die neun bundesweiten Feiertage wie ein Sonntag, während länderspezifische Feiertage wie Fronleichnam oder Allerheiligen außen vor bleiben, weil diese Seite bundesweit und nicht länderspezifisch rechnet.

Eine Zahl bleibt eine Annahme, und es ist die einzige, die das Ergebnis noch bewegt: der Anbieteranteil je Kilowattstunde. Bundesweit veröffentlicht ihn keiner der vier geprüften Anbieter. Der Grundpreis dagegen steht seit dem 3. September 2026 auf beiden Seiten des Vergleichs und kürzt sich damit fast vollständig heraus. Mehr dazu auf der Startseite und auf der Seite zu den Nachteilen.

Gegengerechnet an zwei echten Tarifen

Das Modell vergleicht gegen einen Durchschnittspreis. Ob es damit einen wirklichen Tarif trifft, lässt sich prüfen, denn Grundversorger müssen ihre Preise veröffentlichen. Zwei Preisblätter, beide brutto, beide mit einer modernen Messeinrichtung zu 25,00 Euro im Jahr gerechnet:

Jahresverbrauchdieses Modell SWM MünchenAbweichung E.ONAbweichung
1.800 kWh720 Euro759 Euro−5,0 %923 Euro−21,9 %
3.500 kWh1.295 Euro1.310 Euro−1,2 %1.648 Euro−21,4 %
4.500 kWh1.633 Euro1.635 Euro−0,1 %2.074 Euro−21,3 %
7.000 kWh2.478 Euro2.446 Euro+1,3 %3.140 Euro−21,1 %
11.000 kWh3.830 Euro3.743 Euro+2,3 %4.846 Euro−21,0 %

SWM Versorgungs GmbH, Grundversorgung München, Grundpreis 149,70 Euro im Jahr und Arbeitspreis 32,44 ct/kWh (Preisblatt vom 1. Februar 2026). E.ON Grundversorgung, Grundpreis ohne Zähler 129,96 Euro und Arbeitspreis 42,65 ct/kWh (gesetzliche Pflichtinformation nach § 2 Absatz 3 StromGVV, Stand 1. Juli 2026). Beide abgerufen am 4. September 2026.

Gegen den Münchner Tarif liegt das Modell über die ganze Spanne zwischen minus 5,0 und plus 2,3 Prozent, bei 4.500 Kilowattstunden auf 0,1 Prozent genau. Der Verlauf über den Verbrauch stimmt also, und das war die eigentliche Frage: ob die Aufteilung zwischen festem und verbrauchsabhängigem Teil ungefähr passt.

Gegen E.ON liegt es durchgehend rund 21 Prozent darunter, und zwar bei jedem Verbrauch gleich. Das ist kein Strukturfehler, sondern ein Niveauunterschied: E.ONs Grundversorgung kostet bei 3.500 Kilowattstunden 47,08 ct/kWh, der Bundesdurchschnitt liegt bei 37,0. Für einen Haushalt dort ist ein dynamischer Tarif also deutlich mehr wert, als der Rechner oben anzeigt. Umgekehrt gilt dasselbe: Wer einen günstigen Neukundentarif hat, gewinnt weniger. Der Rechner vergleicht gegen den Durchschnitt, nicht gegen deinen Vertrag.

Zwei Einzelheiten aus denselben Blättern bestätigen Annahmen dieser Seite. Die SWM verlangen für den Zähler exakt die gesetzlichen Höchstbeträge, 25,00 Euro für die moderne Messeinrichtung und 30,00 Euro für das intelligente Messsystem bis 6.000 Kilowattstunden. Und E.ON weist im Grundpreis einen Anbieteranteil von 38,75 Euro brutto aus, den dieses Modell dort nicht führt. Das ändert am Ergebnis nichts: Weil der Grundpreis auf beiden Seiten des Vergleichs steht, verschiebt er die Differenz um weniger als einen Cent, ob dort 112, 151 oder 175 Euro stehen.

Beide Blätter oben sind Grundversorgungstarife, also das teure Ende. Für das günstige Ende gibt es eine bessere Quelle als ein einzelnes Angebot, denn die Bundesnetzagentur veröffentlicht Durchschnittspreise nach Vertragsart, mengengewichtet und bundesweit, für einen Jahresverbrauch zwischen 2.500 und 5.000 Kilowattstunden:

VertragsartPreis bei 3.500 kWh
Grundversorgungsvertrag44,93 ct/kWh1.573 Euro
Beim Grundversorger, außerhalb der Grundversorgung39,51 ct/kWh1.383 Euro
Bei einem anderen Lieferanten38,20 ct/kWh1.337 Euro
dieses Modell37,00 ct/kWh1.295 Euro

Monitoringbericht 2025 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt, Abbildung 98, jeweils zum 1. April 2025. Das Modell rechnet dagegen mit dem BDEW-Durchschnitt für 2026, und zwischen beiden Zeitpunkten sind die Preise gefallen. Dass es unter allen drei Kategorien liegt, ist deshalb erwartbar und kein Hinweis auf einen Fehler.

Wichtiger als der Abstand zum Modell ist der Abstand der Kategorien untereinander. Zwischen Grundversorgung und einem Vertrag bei einem anderen Lieferanten liegen 6,73 ct/kWh, bei 3.500 Kilowattstunden also 236 Euro im Jahr. Der Vorteil, den dieser Rechner für denselben Haushalt ausweist, beträgt je nach Anbieteranteil 103 bis 138 Euro.

Die Vertragsart wiegt also ungefähr doppelt so schwer wie der Wechsel in einen dynamischen Tarif. Wer in der Grundversorgung steckt, holt mit einem gewöhnlichen Anbieterwechsel mehr heraus als mit jedem Börsenpreis. Das ist die unbequemste Zahl auf dieser Seite, und sie steht hier, weil sie stimmt.

Woher der Unterschied kommt

Derselbe Monitoringbericht zerlegt den Haushaltsstrompreis in seine Bestandteile, mengengewichtet über alle Vertragsarten, zum 1. April 2025 (Tabelle 39). Zwei Zeilen daraus machen aus dem Ergebnis dieser Seite eine überprüfbare Aussage:

PostenFestpreistarif dynamischUnterschied
EnergiebeschaffungDer Festpreisversorger kauft langfristig ein, der dynamische Tarif zahlt den Börsenpreis 11,39 ct10,12 ct1,27 ct
Vertrieb und MargeWas der Anbieter für sich behält 4,45 ct1,50 ct2,95 ct

Der kleinere Teil des Vorteils, 1,27 ct/kWh, stammt also daher, dass die Börse über diesen Zeitraum billiger war als die langfristige Beschaffung. Das ist ein Rückblick auf einen Zeitraum fallender Preise und keine Zusage für die Zukunft; bei steigenden Preisen dreht sich dieser Teil um. Der größere Teil, 2,95 ct/kWh, ist schlicht die Marge: Ein klassischer Versorger nimmt laut dieser Tabelle 4,45 ct/kWh für Vertrieb und Marge, der Rechner oben setzt für den dynamischen Anbieter 1,50 an. Wer weiß, was sein Anbieter nimmt, sollte den Regler entsprechend stellen.

Ein Hinweis zur Einordnung: Die 4,45 und 11,39 gelten über alle Vertragsarten hinweg, also einschließlich Grundversorgung. Für reine Neukundenangebote modelliert dieselbe Behörde einen Anbieteranteil von rund 13,2 statt 15,84 ct/kWh (Abbildung 99, Dezember 2025). Wer heute zwischen einem frischen Festpreisangebot und einem dynamischen Tarif wählt, sollte den Vorteil deshalb eher am unteren Rand der hier gezeigten Spanne erwarten.

Was diese Seite bewusst nicht macht

Diese Seite empfiehlt keinen einzelnen Anbieter und zeigt keine allgemeingültige Rangliste, weil die entscheidenden Zahlen postleitzahlabhängig sind. Sie druckt kein Pauschalurteil „dynamische Tarife lohnen sich immer" oder „nie", weil beides je nach Haushalt schlicht falsch wäre. Sie ersetzt keine Rechtsberatung, weder im Impressum noch im Datenschutz, beides liefert der Berater des Betreibers. Am Ende steht eine Rechnung mit den eigenen Zahlen im Rechner auf der Startseite.

Warum dieses Projekt

Hiraeth Node ist mein Studio für KI-Sichtbarkeit und technisches SEO, für Kundenprojekte ebenso wie für eigene Vorhaben wie dieses. tarife-vergleich.org dient dabei zugleich als öffentlich nachprüfbares Beispiel dafür, wie eine Rechnung mit echten Quellen aufgebaut sein kann. Wer die eigenen Zahlen direkt gegenrechnen will, findet den Rechner auf der Startseite.